Untersucht keiner in der Bildungsforschung die Präsentationskompetenz?


Von Fabian Ruth // 26. Februar 2018


1000 Bildungsforscher, 600 Vorträge, 78 Posterpräsentationen: Das ist die Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF). In Basel trafen sich Mitte Februar (15.-17.Februar) die führenden deutschsprachigen Bildungsforscher drei Tage lang und gaben Einblicke in ihre aktuellen Studien. Es war beeindruckend zu erleben, wie vielfältig und groß dieses Forschungsfeld ist.


Die Vielfalt in der Bildungsforschung wurde mir insbesondere bei der Postersession am ersten Abend bewusst. Mit einem Glas Wein und kleinen Häppchen schlenderten die Teilnehmer von Poster zu Poster, man kam ins Fachgespräch und tauschte sich aus über Unterrichtsqualität, den Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf den Bildungserfolg oder auch über die Beratungskompetenz bei Lehrkräften in Lehrer-Elterngesprächen. Auf den Postern las ich Fragen, wie „Haben witzige Lehrkräfte motiviertere Schülerinnen und Schüler?“, „Sagen kognitive und motivationale Faktoren eine erfolgreiche Teilnahme an einem mathematischen Schülerwettbewerb hervor?“, „Welche Quellen nutzen Lehrkräfte zur professionellen Weiterentwicklung?“ oder auch „Beeinflusst eine inklusive Beschulung das prosoziale Verhalten?“. Die Postersession zeigte mir, dass viele wichtige Fragen untersucht werden und, dass noch viele Fragen in der Bildungsforschung offen sind.  


Während ich bei der Postersession noch die theoretische Möglichkeit hatte, alle Poster zu besuchen, war das bei den Vortragssessions nicht mehr möglich. Aus 22 parallelen Sessions musste ich mich jeweils für eine Session entscheiden. Leicht fiel die Entscheidung nur bei der Session, in der ich unsere Untersuchung zur Effektivität des Jugend präsentiert-Präsentationstrainings vorstellen durfte. Insgesamt ist mir aufgefallen, dass in der empirischen Bildungsforschung kaum zur Schülerpräsentation und zur Präsentationskompetenz geforscht wird. Es gib hin und wieder Parallelen und Überschneidungen, z.B. in der Schreibkompetenzforschung, wenn ebenso die Perspektivenübernahme oder die Kohärenz untersucht wird oder, wenn in der Lehrerforschung in ersten Ansätzen die Präsentationskompetenz erfasst wird. Es bleibt aber dabei: Die Präsentationsforschung der Forschungsstelle Präsentationskompetenz leistet einen wichtigen und notwendigen Beitrag in der Bildungsforschung.

Bilder: © Jugend präsentiert


Fabian Ruth

Forschungsstelle // Universität Tübingen