Science Notes im schwäbischen Silicon Valley

Die Musiker von Ströme bei den Science Notes.

Von Dr. Thomas Susanka // 03. April 2019


Wie werden wir in der Zukunft leben? Heute wissen wir, dass Künstliche Intelligenz (KI) dabei eine große Rolle spielen wird, denn schon heute verändert diese Technologie unser Leben. In der Forschung wird das Thema seit einigen Jahren mit großer Intensität bearbeitet. Es entstehen zahlreiche neue Professuren, ganze Institute, die sich nur mit KI beschäftigen und sogar große regionale und internationale Forschungsverbände werden aus dem Boden gehoben. In Baden-Württemberg hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann 2016 den Startschuss für so einen Verbund gegeben. Das Cyber Valley will nichts geringeres sein, als ein schwäbisches Silicon Valley. Dafür haben sich die Universitäten Tübingen und Stuttgart mit Max-Planck-Instituten und großen Industrievertretern (u. a. Daimler, Bosch, Porsche, Amazon) zusammengetan. Im Laufe das Jahres 2018 hat das Projekt Fahrt aufgenommen, Professuren wurden berufen und Gebäude werden errichtet. In der schwäbischen Provinz sollen also die Technologien der Zukunft entwickelt werden. Nur gerade in Tübingen sind nicht alle von der Idee begeistert: Neben Sorgen über steigende Wohnungspreise und Vorbehalten gegenüber internationalen Großkonzernen, besteht bei einigen auch viel Skepsis gegenüber der Technologie. Aktivisten besetzten kurzerhand ein großes Hörsaalzentrum, es gab Proteste und Gespräche. Vor diesem Hintergrund wollten wir einen Science Notes-Abend im Tübinger Schlachthaus Club veranstalten.

Gerade angesichts der Vorbehalte gegenüber der Wissenschaft, ist es um so wichtiger, dass Forschende einen Schritt auf die Öffentlichkeit zu machen, sich auf die Bühne stellen und erklären, was das überhaupt ist, was sie da erforschen und auch, warum sie das machen und was ihre Motivationen und Ziele sind. Für diesen Abend konnten wir den „Cyber-Valley-Professor“ Prof. Dr. Philipp Hennig gewinnen, der über seine Forschung zu Rechenalgorithmen für lernende Maschinen sprach. Wichtig war uns dieses Mal aber, vor allem auch junge Forscherinnen und Forscher auf die Bühne zu holen: Dr. Wieland Brendel sprach darüber, wie Maschinen unsere Welt sehen, Dr. Anna Levina über die Selbst-Organisation des Gehirns und Dr. Caterina De Bacco über die Optimierung von Netzwerken. Gerade wegen der Proteste und des hohen Diskussionsbedarfs haben wir uns dazu entschlossen, den üblichen fünften Vortrag durch eine spontane Podiumsdiskussion zu ersetzten, bei der jede/r im Publikum Fragen stellen und Meinungen äußern durfte.

Als wir am 17. Januar 2019 dann die Türen zum Schlachthaus-Club öffneten, waren wir erstmal überwältig. So viele Menschen wollten wohl noch nie zu einer Science Notes kommen. Glücklicherweise hatte wir uns etwas darauf vorbereitet und konnten, nachdem der Club voll war, noch 500 weitere Gäste in eine benachbarte Bar und einen Hörsaal lotsen, in denen die Veranstaltung per Live-Schalte übertragen wurde. Dann legten die Musiker von Ströme an ihren analogen Synthis los und es war ein intensiver Abend mit Wissenschaft, Musik und anregenden Diskussionen. Die Vorträge sind auf dem Science Notes-YouTube-Kanal zu finden.

Die nächsten Science Notes finden beim Jugend präsentiert-Bundesfinale am 14. September 2019 im Heimathafen Neukölln in Berlin statt.

 

Fotos: © Patrick Gerstorfer


Dr. Thomas Susanka

Forschungsstelle // Universität Tübingen