Rhetorik und Wissen 2017 mit Prof. Dr. Karsten Danzmann


Markus Gottschling // 10. November 2017


Während der Jugend präsentiert-Wettbewerb Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland anspricht und die Science Notes in den Clubs der Republik zuhause sind, haben wir in Tübingen auch eine Veranstaltung, die bei der Vermittlung von Wissen an die Öffentlichkeit erst einmal ganz lokal ansetzt: Bei Rhetorik und Wissen denken herausragende Wissenschaftler darüber nach, wie sie ihre häufig hoch abstrakte und komplizierte Forschung verständlich und anschaulich weitergeben können. In unterhaltsamen Vorträgen vermitteln sie neue Impulse und Denkanstöße, schließlich ist die erfolgreiche Kommunikation von Wissen in der modernen Wissensgesellschaft eine absolute Notwendigkeit. Und dabei zählt die Motivation der Zuhörer, ohne ihr Interesse versandet jeder Versuch der Wissenschaftskommunikation.

Zweimal hat Rhetorik und Wissen bereits stattgefunden und bereits bei der ersten Ausgabe mit Prof. Dr. Harald Lesch hat sich gezeigt, welchen Wissensdurst das Tübinger Publikum hat: Es kamen 2000 Zuschauer, um den Astronomen und TV-Moderator Lesch sprechen zu sehen. Kaum weniger Interesse zog dann im letzten Jahr Prof. Dr. Wolf Singer an. Pointiert und gewitzt setzte sich Singer damit auseinander, wie das Unerklärliche doch erklärt werden kann – und stellte auch die provokante These auf, dass es manchmal auch weiterhin Dinge geben muss, die für viele Menschen unerklärlich bleiben. Wer möchte, kann Lesch und Singer via YouTube nachverfolgen, ganz lokal bleiben diese Vorträge also zum Glück nicht.

https://youtu.be/6vpI7JMRx-g

In diesem Jahr nun war Prof. Dr. Karsten Danzmann unser Gast, der Titel seines Vortrags lautete „Wir können das dunkle Universum hören!“. Danzmann gehört zu den genau 1004 Autoren des Papers, das im Jahr 2016 die Entdeckung der Gravitationswellen bekanntgab. Als Leiter des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik hat er vor allem mit der Entwicklung eines Lasers einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung der Gravitationswellen geleistet, die in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde – Danzmann selbst erhielt für seine Arbeit allein in diesem Jahr den renommierten Körber-Preis für Europäische Wissenschaft sowie den Otto-Hahn-Preis.

Gravitationswellen, das sind jene Stauchungen im Raum-Zeit-Gefüge, die Albert Einstein in seiner Relativitätstheorie vor über hundert Jahren theoretisch vorausgesagt hat und die 2015 zum ersten Mal tatsächlich gemessen werden konnten. Durch diese Messung können wir nun zum ersten Mal hören, was unserem Auge niemals zugänglich sein wird: Denn 99% des Universums sind für uns dunkel, weil niemals Licht dorthin kommt. Mit dem Messgerät LIGO (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) war es möglich, diese Wellen aufzufangen und als Schallwelle wiederzugeben. Es war Danzmann anzumerken, wie sehr er nicht nur für sein Thema, sondern auch für dessen Vermittlung brennt: Mit einem intensivem, spannenden und witzigen Vortrag führte er die Zuhörer in das Thema Gravitationswellen ein, zeigte, wieso es so schwierig ist, die Messung durchzuführen, und ließ uns das dunkle Universum tatsächlich hören:

https://www.youtube.com/watch?v=TWqhUANNFXw 

Für mich und das Organisationsteam ist so eine große Veranstaltung im Vorfeld natürlich immer wieder spannend, aber auch stressig: Wie gestalten wir die Plakate und Flyer, wie viele Leute kommen und natürlich: Geht am Abend selbst alles gut? Aber auch dieses Mal wog der Abend selbst jeden Stress wieder auf: Ein toller Vortrag vor vollem Haus – Karsten Danzmann war ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man Rhetorik und Wissen miteinander verbindet.

Bilder: © Patrick Gerstorfer


Markus Gottschling

Forschungsstelle//Universität Tübingen