Premiere: Jugend präsentiert Summer School

Die Teilnehmenden der Summer Summer School in Heidelberg

Gastbeitrag von Carlotta Hellmann // 9. Oktober 2019


"Auf Klaus Tschira!"

Unser Trinkspruch schallt über den Neckar, als wir am Samstagabend mit unseren dampfenden Bechern voll heißer Schokolade anstoßen. Warm eingemummelt und fröhlich quatschend sitzen wir an Deck eines Solarkatamarans, genießen die Abendsonne und lassen uns einlullen von einem überwältigenden Gemeinschaftsgefühl.
Die Fahrt mit dem Solarkatamaran ist eines der Highlights im Rahmenprogramm der allerersten Summer School von Jugend präsentiert.

Hinter uns liegen zwei ereignisreiche Tage, die wir Revue passieren lassen…

Was uns vereint

Am Freitagmittag trudelt nach und nach unsere bunt gemischte Truppe in der Jugendherberge in Heidelberg ein. Wir beziehen unsere Vierbettzimmer (die erste Chance, neue Leute kennenzulernen) und führen bei Brezeln und Apfelschorle die ersten Gespräche.

So verschieden wie die Städte, aus denen wir kommen, fallen auch die Antworten auf die Frage „Und was machst du so?“ aus: Bei den 20 Teilnehmenden ist von frisch gebackenen Abiturientinnen und Abiturienten über FSJler und BuFDis bis hin zu Studierenden der Physik, Lebensmittelchemie, Rechtswissenschaften, Elektrotechnik oder Medizin alles dabei.

Was uns vereint? Unsere Liebe zu Jugend präsentiert – und dass wir alle nicht so recht von diesem wunderbaren Wettbewerb loskommen, der uns jetzt sogar eine Basis für eine großartige Alumni-Community bietet.

Angefangen haben wir alle irgendwann als Teilnehmende; von 2014 bis 2018 sind alle Wettbewerbsjahre vertreten. Inzwischen ist jeder von uns volljährig und wir alle freuen uns auf die Summer School, die vor uns liegt.

Deutsches Krebsforschungszentrum

Das durchdachte Rahmenprogramm für den Freitagnachmittag entschädigt alle Male für das schlechte Wetter. In Heidelberg findet die Nacht der Wissenschaften statt und wir marschieren gespannt durch den Regen zum DKFZ, dem Deutschen Krebsforschungszentrum.
Zu Beginn der Führung dort legen wir unsere Schlüssel, Namensschilder, Taschen und Schmuck ab – dann dürfen wir den Raum betreten, in dem sich das berühmte 7-Tesla-MRT befindet. Wir experimentieren mit Aluminiumplatten und Tennisbällen mit Metall-Anteil und sind alle ziemlich beeindruckt vom gigantischen Magnetfeld.

Die anschließende Präsentation einiger besonders spannender Studien und Forschungsprojekte, die aktuell am DKFZ durchgeführt werden, bietet Raum für spannende Nachfragen.

 

European Molecular Biology Laboratory

Einigen von uns brennt noch viel mehr auf der Seele, als wir das DKFZ bereits verlassen müssen: Unser Bus bringt uns zum nächsten Programmpunkt, dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL).
Hier werden wir von Forschenden in bunten T-Shirts empfangen, die uns mitnehmen auf einen kleinen Ausflug ins Thema Embryonalforschung. Forschungsobjekte sind Fruchtfliegen, die wir uns zuerst im Labor und anschließend unter dem Mikroskop angucken können.

Untersucht wird beispielsweise, welche Auswirkungen es hat, wenn bestimmte für Muskelproteine codierende Gene ausgeschaltet werden. Durch diese Grundlagenforschung soll die Ursache bestimmter Muskeldystrophien festgestellt werden.

 

Abendprogramm

Voller neuer Eindrücke laufen wir zum nahegelegenen Restaurant: Eine Mahlzeit und ein Freigetränk werden uns spendiert. Bei Käsespätzle, Maultaschen oder Schnitzel werden spannende Gespräche geführt und Kontakte geknüpft.

Ganz im Sinne des Networking hat das Orga-Team Platzkärtchen mit unseren Namen am Tisch verteilt. So kommt gar nicht erst die Idee auf, sich nur an die Leute zu halten, die wir sowieso schon kennen – stattdessen genießen wir es, einige tolle neue Menschen etwas besser kennenzulernen.

Pappsatt und begleitet vom ersten Anflug von Müdigkeit machen wir uns mit dem Bus auf dem Weg in die Altstadt, wo uns eine „Public History“-Führung erwartet. Wir starten im Studentenkarzer, einem gemütlichen „Gefängnis“ mit bunt bemalten Wänden, das bis Anfang des 20. Jahrhunderts von vielen Heidelberger Studenten als eine Art Party-Location genutzt wurde.

Die Stunde Stadtführung vergeht wie im Flug und wir lernen einiges über die Gründung der Universität, das Leben als Student in vergangenen Jahrhunderten und den Aufenthalt einiger berühmter Dichter und Denker in Heidelberg.

Es ist kurz nach zehn, als das offizielle Programm des ersten Tages der Summer School beendet ist und wir uns aufteilen. Die Hälfte von uns kehrt zurück in die Jugendherberge; die andere Hälfte meldet sich kurz und zwanglos (der Volljährigkeit sei Dank) bei unseren Betreuenden ab und macht sich auf, um das Heidelberger Nachtleben zu erkunden.

Für mich hätte dieser Abend nicht schöner enden können als beim Karaoke-Abend im Irish Pub, wo unsere Gruppe eine legendäre Performance von „Take on Me“ von a-ha sowie „Wannabe“ von den Spice Girls hinlegt.

 

Der frühe Vogel…

Am Samstagmorgen werden erste Müdigkeits-Schübe mit Jugendherbergs-Kaffee besiegt, sodass wir alle topfit sind, als wir um 7.30 Uhr in den Bus einsteigen, der uns zum Studio Villa Bosch bringt.

Einige von uns haben hier schon an Präsentationsakademien teilgenommen; andere besuchen das imposante Tagungszentrum zum ersten Mal.

Begrüßt werden wir ganz offiziell von einigen Vertretenden des Jugend präsentiert-Teams; auch der Fotograf Gerhard Kopatz ist bei dieser Jugend präsentiert-Veranstaltung mal wieder mit dabei.

Es ist schon ein besonderes Gefühl, an der allerersten Summer School teilzunehmen. Es liegt etwas in der Luft, als Christian Kleinert von der Gründung des Wettbewerbs und vom bald anstehenden 10-jährigen Jubiläum erzählt – irgendwie fühlen wir uns als Teil von etwas Großem, das gerade erst begonnen hat und noch so viel weiter wachsen wird.

Lampenfieber und der perfekte Pitch

Ausgestattet mit Block, Stift und Alumni-Jutebeutel (natürlich alles in stilechtem Orange und mit Jugend präsentiert-Logo) starten wir voller Vorfreude in unsere Workshops.
Vorab konnten wir dabei wählen zwischen „Umgang mit Lampenfieber“ (mit den Juniortrainerinnen Anna Berlich und Salina Weber) und „Pitch Perfect“ (mit Carmen Lipphardt von der Trainerakademie der Universität Tübingen).

Die knappe Mehrheit, die sich für „Pitch Perfect“ entschieden hatte, sammelte zunächst Informationen zum perfekten Pitch. Dabei handelt es sich um eine kurze (ca. 2 Minuten) Präsentation des eigenen wissenschaftlichen Themas; beispielsweise mit dem Ziel, Projektleitungen oder Unterstützer für ein bestimmtes Forschungsprojekt zu gewinnen.

Neben der Frage, was ein Pitch leisten kann und soll, welchen Anforderungen er gerecht werden muss und bei welchen Gelegenheiten ein Pitch gehalten wird, sollten wir aufzählen, welche Pitch-Kompetenzen wir bei Jugend präsentiert bereits erworben haben.
Für die Verbesserung der Präsentations-Skills wie Performanz und Adressatenorientierung werden wir diesem Wettbewerb wohl ewig dankbar sein und uns stets mit Freude an unsere Präsentationsakademien voller Powerpoint-Karaoke und Kurzvorträge erinnern.

Kurze Zeit später sieht man die Workshop-Teilnehmenden vereinzelt im Foyer der Villa Bosch sitzen oder durch den Garten flanieren. Alle suchen zunächst ein geeignetes Thema, feilen anschließend fleißig an ihrem Pitch und tragen die Pitches einem vorher ausgesuchten Partner vor.
Zwischendurch gibt es ganz in Jugend präsentiert-Manier Kaffee, Kekse und Obst - idealer könnte die Arbeitsatmosphäre nicht sein.
Auch, wenn bei so manchem ein sehnsüchtiger Ausdruck aufs Gesicht tritt, wenn er sich durch die Glasscheibe den Lampenfieber-Workshop anschaut... Von den anderen sieht man nämlich nur die Füße und Unterschenkel - und diese befinden sich für einen geraumen Zeitraum auf bequem aussehenden Yoga-Matten!
Da kommt durchaus die Frage auf, ob man den richtigen Workshop gewählt hat…

Beim Austausch mit den anderen Teilnehmenden erfahren wir später, dass in dem Workshop unter anderem das Präsentieren unter erschwerten Bedingungen, beispielsweise bei einer lauten und chaotischen Atmosphäre, geübt wurde.

 

Impulsvortrag

Bevor es in die letzte Workshop-Einheit geht, gibt es noch einen Impulsvortrag von Frau Dr. Nunes-Alves. Sie erzählt uns von ihrer Forschung aus dem Bereich „Life Sciences“, die sie am Heidelberger Institute for Theoretical Studies (HITS) als Teil der Forschungsgruppe „Molecular and Cellular Modeling“ durchführt.
Wir haben die Möglichkeit, breit gefächerte Fragen zu stellen – zu ihrer Forschung an der Bildung bestimmter Proteinkomplexe, der Internationalität in der Wissenschaft, Berufen in der Forschung im Allgemeinen, der Rolle von Präsentationskompetenzen und sogar zu ihrem Privatleben ("Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?").

Vernetzen

Nicht nur abends auf dem Solarkatamaran, sondern auch beim anschließenden Essen im italienischen Restaurant „Heid’s“ gibt es Gelegenheit zum Austausch. Einmal mehr wird uns klar, was diese Summer School mit am meisten ausmacht: Das Vernetzen.
Es werden Pläne für die nächsten Gruppentreffen, gegenseitige Besuche in ganz Deutschland oder sogar gemeinsame Segeltörns geschmiedet.

Die Stimmung ist ausgelassen, wir haben einfach gute Laune und freuen uns, hier zu sein. Das haben wir am Samstagmittag auch Gerhard beim gemeinsamen Gruppenfoto gezeigt. "Wie ist die Stimmung?", brüllt jemand in unsere Gruppe hinein - die Antwort lautet ganz klar: "Spitze!".

Zurück in der Jugendherberge gestalten wir unsere abendliche Freizeit diesmal etwas ruhiger: In einer großen Gruppe sitzen wir beim Gesellschaftsspiel „Werwölfe“ zusammen und freuen uns über die beiden Freigetränke von der Jugendherbergs-Bar.

Bis tief in die Nacht werden diverse Kartenspiele ausprobiert, hitzige Diskussionen geführt und das Ambiente genossen.

Als wir uns am Sonntag nach einem spannenden Abschlussplenum inklusive Ideen-Sammlung für zukünftige Alumni-Projekte schweren Herzens voneinander verabschieden, ist ganz klar: Wir freuen uns jetzt schon unglaublich auf die nächste Summer School und darauf, einander wiederzusehen!

Danke für alles!

Danke, liebes Jugend präsentiert-Team, dass ihr uns ein Stück weit durch unsere Jugend begleitet habt, und euch auch jetzt noch um uns kümmert und für uns diese tolle Alumni-Plattform gestaltet.
Wir lieben euch, den Wettbewerb und alles, was dazugehört und sind einfach unglaublich glücklich, mit dabei sein zu dürfen!

© Bilder: Gerhard Kopatz für Jugend präentiert