Planetarium to go


Von Kai Liese // 17. Oktober 2017


Wer lag schon einmal in einer Schulturnhalle oder Aula unter einer mobilen Kuppel und hat sich den Sternenhimmel angesehen? Klassische Planetarien, diese riesigen Kuppelbauten auf deren Innenfläche der Sternenhimmel gezeigt wird, kennt jeder. Doch ein mobiles Planetarium, so klein, dass es in jede Turnhalle oder Aula passt, in wenigen Stunden auf- und wieder abgebaut?

Vor wenigen Jahren war das noch schwer vorstellbar, doch die moderne Videotechnik macht dies möglich. Riesige und schwere Projektoren sind nicht mehr nötig. Ein kleiner, aber hochauflösender Projektor mit einer speziellen Optik und eine transportable Kuppel reichen aus, um den Sternenhimmel verzerrungsfrei in 3D bewundern zu können. Auch wir konnten uns davon überzeugen, als das INTENSE-Team vom Berliner Planetarium während der Vorrunde in der Käthe-Kollwitz-Schule in wenigen Stunden ein vollständiges Planetarium für Jugend präsentiert aufbaute und anschließend ebenso schnell wieder abbaute.

Um mehr über das Projekt herauszufinden, fahre ich an einem regnerischen Herbsttag durch Berlin zum Zeiss Großplanetarium. Die Idee eines mobilen Planetariums für Schulen hat Tim Florian Horn, Vorstand der Stiftung Planetarium Berlin, aus den USA mitgebracht. Während seiner Arbeit an einem amerikanischen Science Center lernte er mobile Planetarien kennen und initiierte das Projekt daraufhin in Berlin, erklärt mir Inga Schlesier, Projektleiterin von INTENSE. Seit zwei Monaten reist nun das mobile Planetarium durch Berliner Schulen. Ziel des Projektes ist es Schülerinnen und Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern. Daher werden nicht nur klassische Astronomie-Vorführungen, sondern auch ein Workshop zum Thema Energie und Umwelt angeboten. Denn ebenso gut wie die Entstehung eines Sterns, lässt sich in der Kuppel der Aufbau einer Solarzelle darstellen. Zahlreiche naturwissenschaftliche Phänomene ließen sich in 3D gut veranschaulichen und den Schülerinnen und Schülern damit begreifbar machen, betont die Projektleiterin weiterhin.

Wichtig ist Inga Schlesier jedoch auch, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur passiv konsumieren, sondern aktiv mitgestalten und zugleich den Umgang mit 3D-Präsentationsmedien lernen. Man könne sich die Kuppel auch als leere Leinwand vorstellen und wir fordern die Jugendlichen auf, diese zu bemalen, führt sie aus.

Im Workshop Experimentieren in 360° müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Kuppelpräsentation daher selber erstellen. Hierfür bekommen sie 360° Linsen, montieren diese auf ihr Smartphone und können so 3D-Fotografien erstellen. Aufgabe der Schülerinnen und Schüler ist es nun, klassische Assessment-Center-Übungen aus dem MINT-Bereich zu lösen und ihre Arbeitsschritte mit Hilfe der 360° Fotos zu dokumentieren und anschließend in der Kuppel zu präsentieren. So lernen die Jugendlichen nicht nur die spezielle Situation in einem Assessment-Center kennen, sondern auch den Umgang mit 3D-Präsentationsmedien. Und diese werden in Zukunft immer bedeutender werden, ist sich Inga Schlesier sicher.

Bisher ist das das Projekt leider (noch) auf Berlin beschränkt. Lehrerinnen und Lehrer außerhalb Berlins könnten in Zukunft jedoch ebenfalls von dem Angebot profitieren. Denn INTENSE hat sich auf ein Projekt der ESA beworben, welches einen bundesweiten Einsatz ermöglichen würde.

Bild: © Gerhard Kopatz für Jugend präsentiert


Kai Liese

Veranstaltungsorganisation // Projektbüro Berlin