Lebendiges Wissen in 60 mal 60 Sekunden

Die digitale Präsentationsakademie ermöglicht örtlich flexibles Arbeiten.

Gastbeitrag von Maria Föttinger // 01.07.2020


Das Manuskript der heutigen Sitzung liegt vor mir auf dem Schreibtisch, alle wichtigen Stellen sind mit einem neongrünen Marker fett angestrichen. Bevor es losgeht, checke ich nochmal alle technischen Einstellungen. Dann schalte ich mich kurz in den virtuellen Seminarraum, schaue ob Video und Ton funktionieren. Ist mein Videobild okay? Können mich alle gut sehen und hören? Die Technik steht, die Inhalte sitzen und meine Motivation ist großartig. Jetzt noch 15 Minuten bis zum Seminarbeginn. 

In der Zeit, zu der bei einer analogen Veranstaltung eigentlich schon die ersten Teilnehmenden eintrudeln würden, mache ich ganz entspannt einen letzten Streifzug durch meine Tübinger Studierenden-Wohnung, von wo aus ich mein Training leite. Auf den Balkon, ein bisschen Frischluft schnappen, nochmal ein großes Glas Wasser trinken, ausgiebig dehnen, die Stimme unbefangen aufwärmen. Durch das Wohnzimmer tönen etliche „OOOOs“, „AAAAs“, und „Pssssts“. Dieses digitale Format bietet auf jeden Fall ungeahnte Möglichkeiten in der Vorbereitung. Ich setze mich zurück an den Schreibtisch, öffne den virtuellen Seminarraum für meine Schülerinnen und Schüler und schon treten die ersten in den virtuellen Warteraum. Endlich kann es losgehen!

Für mich als Juniortrainerin ist die Präsentationsakademie sehr spannend, besonders weil es meine erste ist. Das Zusammentreffen mit den Schülerinnen und Schülern ist für mich also genauso neu, wie für sie. Und somit springe ich gleich zwei Mal in kaltes Wasser: Was das neue digitale Format angeht und was meine Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern als Teilnehmende betrifft. Zum Glück mag ich kaltes Wasser und merke schnell, dass die neue Erfahrung nicht nur mich, sondern auch meine Gruppe positiv herausfordert. 

Mit der technischen Unterstützung durch das Jugend präsentiert-Team aus Berlin im Hintergrund bekommen wir auch kleinere Startschwierigkeiten, wie ein fehlendes Bild in der Meeting-Software oder rausgeflogene Teilnehmerinnen und Teilnehmer, super unkompliziert in den Griff. Aber auch als Gruppe haben wir uns schnell eingespielt. So habe ich in der dritten Sitzung aus heiterem Himmel kurzzeitig technische Probleme, die Ergebnisse zu teilen, die meine Gruppe auf einer virtuellen Leinwand erarbeitet hat. Kurzerhand übernimmt das einfach einer meiner Teilnehmer, das Problem ist gegessen und wir können weitermachen. Und so muss sich niemand neu in die Session einwählen und wir können uns aufs Wesentliche fokussieren: lebendiges Wissen in 60 mal 60 Sekunden. 

Die Challenge, in einer Stunde so viele Inhalte über Präsentationen zu vermitteln und so viele praktische Übungen zu koordinieren, hat sich für mich gelohnt. Es sind die vielen motivierten Gesichter, die tollen Präsentationen, die Dankbarkeit fürs Feedback und die Erleichterung gepaart mit einem Hauch Stolz, die sich bei den Präsentierenden nach ihrem Auftritt breitmacht. Deshalb ist meine absolute Lieblings-Einstellung bei der genutzten Meeting-Software auch die Galerie-Ansicht. Jede und jeder im Team hat hier die Möglichkeit, die räumliche Distanz zu den anderen kurzzeitig zu vergessen. Training über räumliche Distanz zeigt sich in dieser Präsentationsakademie nicht ausschließlich als Wissensvermittlung, es bleibt ganz klar auch mitmenschliche Begegnung.  

Inhaltlich hat mir besonders die Session zum Thema „Leitfrage“ gefallen. Die Leitfrage ist dem oder der Präsentierenden eine Stütze bei der Erarbeitung der Präsentation. Sie hilft aber auch denjenigen, die der Präsentation lauschen. Denn sie gibt ihnen gleich zu Beginn Orientierung, wo der Weg hingeht. Ich mache jetzt auch im Alltag immer wieder kleine Gedankenspiele und suche nach geeigneten Leitfragen für eine Wettbewerbs-Präsentation: Warum werden Bananen mit der Zeit braun? Oder: Wie lange kann ich durch die Energieersparnis E-Bike fahren, wenn ich beim Wasserkochen einen Deckel verwende? 

Mein Manuskript und meinen Marker kann ich jetzt erst mal zur Seite legen, denn für mich ist der Trainingsteil der ersten Präsentationsakademie geschafft. Es ist zwar kein Zufall, aber großes Glück, dass das Team von Jugend präsentiert auch bei der zweiten Präsentationsakademie mit begnadeten Juniortrainerinnen und Juniortrainern an den Start geht. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, mit einem tollen Organisationsteam zusammengearbeitet und vor allem durfte ich eine Menge spannendes Wissen vermitteln. Jetzt bin ich einfach gespannt und freue mich auf alle weiteren Schritte bis zum Finale. 

 

Fotos: © Jugend präsentiert