Garnele oder Shrimps? Finalistenausflug ins Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven


Gastbeitrag von Ben Brandwein // 17. Januar 2018


Wettbewerb bringt man selbstverständlich mit Gewinn in Verbindung. Aber wie sieht das eigentlich beim Schülerwettbewerb Jugend präsentiert aus?
Ich würde sagen, dass der größte Gewinn schon die Teilnahme als solche ist. Gewinnbringend sind die Erfahrungen, die jeder Teilnehmer sammelt: beim Videodreh für den ersten Wettbewerbsschritt, in Begegnungen mit vielen netten und interessanten Menschen, mit Schülern aus ganz Deutschland und mit Präsentationsprofis vom JP-Team. Gewinnbringend für das ganze Leben sind die Dinge, die man lernen kann, wenn man bei Jugend präsentiert teilnimmt.
Als Finalist hatte ich nach dem unbeschreiblichen Gefühl, seine Präsentation auf einer riesigen Bühne vor mehreren hundert Zuschauern zu halten, eigentlich keine Wünsche mehr.
Zu dem offiziellen Gewinn, dem Besuch in einer Forschungseinrichtung konnte ich aber selbstverständlich auch nicht Nein sagen.

Doch was kann man sich darunter vorstellen? Wir Finalisten aus dem Jahr 2016 haben jetzt, Anfang 2018, diesen Ausflug gemacht.
Es ging ins unscheinbare Bremerhaven an der Wesermündung, wo man im alten Hafengebiet auf mehrere klotzartige Gebäude trifft: eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen für Polar- und Meeresforschung, das Alfred-Wegener-Institut. Dort angekommen, trafen wir Dr. Lars Gutow, der uns sofort das Du anbot und auf hervorragende Art und Weise seine komplexe Arbeit zu vermitteln wusste.
Lars forscht am Alfred-Wegener-Institut zum Thema Plastikmüll im Meer. Er ermutigte uns zunächst, uns bei Fragen aller Art in allen Disziplinen immer direkt an die jeweiligen Wissenschaftler zu wenden. Überhaupt war es für uns, die sich damit ja schon im Rahmen von Jugend präsentiert auseinandergesetzt haben, spannend, sich mit einem Naturwissenschaftler direkt über adressatengerechte Wissenschaftskommunikation zu unterhalten.
Dass er diese gut beherrscht, bewies Lars, indem er es tatsächlich schaffte, uns davon zu überzeugen, dass es für einen deutschen Mittelstufenschüler höchst relevant ist, sich mit dem Paarungsverhalten einer bestimmten Krebsart in der Sargassosee auseinanderzusetzen…

Wir hatten im Anschluss dann noch die Möglichkeit, eine kleine Führung durch das Hauptgebäude des Instituts zu bekommen und in ein paar Labore zu linsen. Es hat schon etwas, wenn mitten im Flur mysteriöse silberne Kisten herumstehen, die an Außenstellen und Forschungsschiffe in der ganzen Welt versendet werden, irgendwie fühlt man sich etwas an die Zeit der großen Entdecker und Seefahrer erinnert.

Nach dem Mittagessen in einer urigen Hafentaverne (leicht klischeehaft) ging es am Nachmittag in das ebenfalls dem Alfred-Wegener-Institut zugehörige Zentrum für Aquakulturforschung, einem grauen Flachbau ein paar Ecken weiter. Im Inneren blubberte und zischte es aus allen möglichen, wie wir dann erfuhren, Wasseraufbereitungsmaschinerien. Natürlich standen überall Becken mit 10 cm bis 1 m großen Fischen. Auch wenn wir uns im Nachhinein darüber einig waren, dass wir nicht alle uns detailliert dargelegten chemischen Reaktionen in Geräten wie „Abschäumer“ oder „Ozonisator“ verstanden, hat sich auch der Nachmittag gelohnt. Hier spielt der Effekt eine Rolle, dass man im Vorhinein keine Chance hat, zu wissen, wofür man sich alles interessiert! Ich habe mir bis dato zum Beispiel noch keine Gedanken gemacht, ob überhaupt und wie kleine Forellen zur Aufzucht von Dänemark nach Deutschland transportiert werden (in speziellen LKW-Tanks) oder welchen Unterschied es zwischen Garnele, Shrimps, Prawn und Gamba gibt (gar keinen).

Für all diese Erkenntnisse, die Organisation und Ermöglichung dieses spannenden Ausfluges vielen Dank an das Team von Jugend präsentiert, Wissenschaft im Dialog und die Klaus-Tschira-Stiftung!

Bilder: © Jugend präsentiert und Ben Brandwein


Ben Brandwein, Finalist 2016

St. Ursula Gymnasium, Hannover