Fünf Fragen an Dr. Eva Gebauer vom Bionicum

Dr. Eva Gebauer.

Von Melanie Preu // 6. Februar 2019


Für unser erstes Training in diesem Jahr waren wir an einem spannenden Ort zu Gast: Am Bionicum in Nürnberg, einem Museum über Bionik. Die Bionik stellt ein interdisziplinäres Forschungsfeld zwischen Biologie und Technik dar, in dem in der Natur nach Lösungen für technische Entwicklungen gesucht wird. Inwiefern das Bionicum die Bionik beleuchtet und zugänglich macht und weshalb es sich als Veranstaltungsort für Jugend präsentiert eignet, beantwortet uns Dr. Eva Gebauer, die Leiterin des Bionicum.

Es hat uns sehr gefreut, dass wir mit dem Multiplikatorentraining I vom 16. bis 18. Januar 2019 bei Ihnen im Bionicum zu Gast sein durften. Was meinen Sie, warum passen das Bionicum und Jugend präsentiert zusammen?

Bei Jugend präsentiert sollen die Schülerinnen und Schüler ja lernen, naturwissenschaftlich-mathematische Themen professionell zu präsentieren. Da es im Bionicum rund um Bionik geht und damit genau diese MINT-Themen in einem ansprechenden Ambiente vermittelt werden, passen Jugend präsentiert und das Bionicum wunderbar zusammen.

Können Sie uns erklären, was das Bionicum macht und weshalb es gegründet wurde?

Das Bionicum ist eine Ausstellung über Bionik im Tiergarten Nürnberg. In dem einzigartigen außerschulischen Lernort können sich alle Besucherinnen und Besucher interaktiv über die verschiedenen Themen rund um die Bionik informieren. Die moderne und grafisch ansprechend gestaltete Ausstellung ist dazu in sieben Bereiche gegliedert, die von „Stabil bauen“ über „Molekulare Bionik“ bis hin zur „Schwarmintelligenz“ reichen.

Neben etablierten Klassikern machen wir besonders auf hochaktuelle und bisher unbekannte Technologien aufmerksam. Und so findet man bei uns Antworten auf die Fragen, was eine Wüsteneidechse mit Solarkraftwerken verbindet oder was Spinnen mit Wundpflasterspray zu tun haben. Das Bionicum wurde gegründet, um darauf aufmerksam zu machen, was sich die Forschung schon von der Natur abgeschaut hat und wie wir von Tieren und Pflanzen lernen können, um energieeffiziente und nachhaltige Technologien zu entwickeln.                

Weshalb ist es wichtig, in der Natur nach Lösungen für technische Entwicklungen zu suchen?

Die Natur ist ein Meister der Energieeffizienz. Sie geht äußerst sparsam mit Rohstoffen um und ermöglicht mit einer vollkommenen Kreislaufwirtschaft Organismen in unterschiedlichsten Lebensräumen das Leben. Diese Eigenschaften sind zusammen mit der biologischen Vielfalt die Grundlage für die Bionik. Dazu kommen noch Millionen Jahre Entwicklungsvorsprung an Strukturen und Funktionen vieler Pflanzen und Tiere – was läge da näher, als diesen Aspekt für technische Innovationen zu nutzen? Klug eingesetzt, schützen wir im Gegenzug mit der Bionik schließlich auch die Natur besser, indem wir einen nachhaltigen, energieeffizienten und umweltfreundlichen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen schaffen.

Bei unseren Multiplikatorentrainings geht es um die Präsentation als Form der Wissensvermittlung. Wie wird im Bionicum Wissen über die Bionik an die Besucher weitergegeben?

Wir haben ein reichhaltiges Programm für alle Altersgruppen, das von interaktiven Führungen über Forschungsbögen zum Selbsterkunden bis hin zu Workshops mit Experimentieren und Ausprobieren reicht. Seit einiger Zeit haben wir außerdem immer mehr Projekte, bei denen Schülerinnen und Schüler oder Studierende selbst Experimente entwickeln oder Programme konzipieren, die im Unterricht eingesetzt werden können. Und ganz neu gibt es in diesem Sommer die Veranstaltung „Naturwissenschaften erleben“, wo Schülerinnen und Schüler vor Publikum ein Thema aus der Naturwissenschaft anschaulich und allgemeinwissenschaftlich präsentieren.

Welche Veranstaltungen oder Ausstellungen in diesem Jahr können Sie allen Interessierten besonders empfehlen?

Einmal natürlich unsere Veranstaltung „Naturwissenschaften erleben“ im Juli. Und seit Dezember haben wir eine neue Sonderausstellung, die noch das ganze Jahr über gezeigt wird. In „Ganz schön eklig!“ beleuchten wir das Gefühl von Ekel unter verschiedenen Aspekten. Ekel ist zwar angeboren, da er uns vor Gefahren wie ungenießbarer Nahrung oder Krankheiten warnt. Was darüber hinaus noch als ekelhaft empfunden wird, ist von Kultur zu Kultur aber unterschiedlich. Außerdem zeigen wir, dass auch hinter vermeintlich ekligen Tieren wie Spinnen, Schlangen oder Schaben wahre Wunderwerke der Natur stecken und Schönheit daher oft im Auge des Betrachters liegt. In der interaktiven Sonderausstellung können die Besucherinnen und Besucher testen, wo ihre Ekelgrenzen liegen, Totenkopfschaben beobachten oder aus kleinen Keimen großartige Kunstwerke schaffen!

 

1. Foto: © Steffi Apenburg für das Bayerische Landesamt für Umwelt
2.-3. Foto: © Mile Cindric für das Bayerische Landesamt für Umwelt

 


Melanie Preu

Projektbüro// Wissenschaft im Dialog Berlin