Bericht zum Zukunftsworkshop in Heidelberg

Vorstellung beim Zukunftsworkshop in Heidelberg

In regelmäßigen Abständen ist man gut beraten, wenn man vom eigenen Tun ein paar Schritte Abstand nimmt, um zu schauen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Wer sich orientieren will, ist ebenso gut beraten, auf dem Weg immer diejenigen Leute zu fragen, die sich auskennen: auf Jugend präsentiert gemünzt sind dies vor allem Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler. Ende April haben wir genau dies getan und im Studio der Villa Bosch, direkt am Sitz der Klaus Tschira Stiftung, hoch über der Heidelberger Altstadt  einen kleinen Zukunftsworkshop veranstaltet: Mit Alumni des JP-Wettbewerbs, Lehrkräften sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Gemeinsam haben wir über relevante Entwicklungen und Trends für das Projekt Jugend präsentiert diskutiert und versucht, mögliche Zukunftsperspektiven zu skizzieren. Einen Diskussionsstrang habe ich für diesen Beitrag zusammengefasst.

Los ging es nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit der Ermittlung relevanter Trends und hierbei zeigte sich schnell, dass vor allem ein Thema im Mittelpunkt stehen würde: Die Digitalisierung. Und es wäre ja auch ein Wunder, wenn dieser Dauerbrenner nicht auch für Jugend präsentiert zentrale Herausforderungen bereithalten würde. Die Entwicklung immer neuer und immer ausgefeilterer Tools zur Erstellung von Präsentationen ist nur ein Beispiel, auf das wir reagieren und uns positionieren müssen: wie kann eine faire Bewertung der Präsentationsleistung erfolgen, wenn sich Schülerinnen und Schüler mit wenigen Klicks aus bestehenden Vorlagen ein Erklärvideo zusammenbasteln können? Selbst die Sprecherstimme wird mittlerweile durch Programme wie der Simpleshow mitgeliefert. Die Meinung der Teilnehmenden hierzu war eindeutig: Schülerinnen und Schüler müssen vor allem auch den reflektierten Umgang mit solchen Programmen lernen, um die Gefahr drohender Abnutzungseffekte und die Wirkung auf die Zuhörer wissen. Zu schnell verkehrt sich der anfängliche “Wow-Effekt” in ein gelangweiltes Gähnen der Adressaten: alles schon x-mal gesehen… Darum erscheint es umso wichtiger, die Schülerinnen und Schüler auch zu kritischen Medienkonsumenten auszubilden, die sich nicht von Effekten beeindrucken lassen. Youtube und die Social Media insgesamt sind schon längst zu Trendsettern geworden, wenn es um die Gestaltung und Aufbereitung von Vermittlungsprozessen geht. Und natürlich hat dies die Wahrnehmungs- und Kommunikationsgewohnheiten der aktuellen Schülergeneration stark beeinflusst. Hier zählen vor allem “glatte”, inszenierte und möglichst professionelle Auftritte. Durch die Möglichkeiten, die Handy, Tablet und Co bieten, ist es sehr einfach, z. B. Aufnahmen so lange zu wiederholen, zu kompilieren oder nachzubearbeiten, bis sie einem in der Realität kaum erreichbaren Ideal entsprechen. Strittig ist daher die Frage, ob die in vielen Schülerpräsentationen zu beobachtende neue Künstlichkeit vielleicht von Schülern derselben Generation schon wieder als authentisch betrachtet wird, weil der Stil vieler Youtuber als neuer Maßstab gilt - eine spannende Frage, die es weiter zu untersuchen lohnen würde. Es bleibt zu diskutieren, ob Jugend präsentiert künftig stärker normative Vorgaben machen und die eigene Vorstellung einer guten Präsentation stärker in den Vordergrund stellen sollte. Selbst wenn diese Frage mit “ja” beantwortet werden sollte, steht hier die weitere Frage an, welche Vorgaben es denn dann bitteschön sein sollen - eine nicht minder spannende Diskussion!

Die weiteren Gespräche mündeten in der Erkenntnis, dass es bei der Ausbildung der Präsentationskompetenz der Jüngsten (5./6. Klasse) auf eine gute Basis ankomme, die jedoch nicht bei Powerpoint und Co. beginnt, sondern zunächst die analogen Medien in den Vordergrund stellen sollte. Dieses Ergebnis mag vor dem Hintergrund der Digitalisierungsdebatte zunächst überraschen, bei genauerer Betrachtung ist es jedoch gar nicht so abwegig. Durch diesen Ansatz lernen Schülerinnen und Schüler, sich sehr sorgfältig zu überlegen, wie die Präsentation aufgebaut und strukturiert werden muss. Auch drohen nicht-technische Möglichkeiten vom Inhalt abzulenken, da bei der analogen Aufbereitung die Funktionalität eine viel größerer Rolle spielt. Dieses Wissen nehmen die Schülerinnen und Schüler dann mit, wenn die digitale Präsentation in den höheren Klassenstufen eine zunehmende Rolle spielt.

Bei aller Besinnung auf die analogen Wurzeln der Präsentation war allen Beteiligten jedoch auch wichtig, dass sich Jugend präsentiert stärker noch als bisher um aktuelle Trends im Bereich der digitalen Präsentation kümmern muss: Welche Neuerungen entstehen, welche Tools taugen auch für den Einsatz im Unterricht? Hier soll Jugend präsentiert zum Trendscout und Testlabor werden und die Erfahrungen an die Schulen weiterreichen. Auch eine Ausweitung des digitalen Angebots der Jugend präsentiert-Inhalte in Form von Webinaren oder Videos wurde sehr empfohlen und diesem Wunsch wird Jugend präsentiert bei den weiteren Planungen gern entsprechen.

Nun liegen viele Anregungen, Ideen aber auch noch zu führende Diskussionen auf dem Tisch, die das Jugend präsentiert-Team sehr dankbar aufgreifen wird. Vieles lässt sich bestimmt in einem kürzeren Zeitrahmen umsetzen, bei anderen Fragen wird es sicher länger dauern und vor allem noch vieler Gespräche bedürfen, um zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen. Es bleibt also spannend.

Bild: © Philipp Schrögel


Christian Kleinert

Projektbüro // Wissenschaft in Dialog